Gedanken zum Sonntag Judika von Pfarrer Brodersen

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

– Brief an die Hebräer 13, 12-14 -

„Draußen“ „Lasst uns hinausgehen“ Das sind Schlagworte, die klingen seit einer Woche ganz anders als vorher. Der Predigttext fordert Sie – liebe Leser – und mich auf, gemeinsam miteinander nach draußen zu gehen. – Aber Sie und ich, wir wohnen nicht gemeinsam in einem Haushalt, das geht nicht!

„Draußen“ ist aktuell ein ambivalentes Wort. Für manche ist es fast schon ein Sehnsuchtsort geworden. Wie herrlich wäre es, unbeschwert draußen zu sein.

  • Mal wieder mit den Freunden und Nachbarskindern auf der Straße oder auf dem Spielplatz spielen.
  • Mit gutem Gewissen raus in die Berge fahren.
  • Sich mit Freunden treffen.

„Draußen“, das hat in diesen Tagen aber auch eine negative Seite:

  • Quasi alle sind aus dem vertrauten Alltag und Rhythmus draußen. Wer jetzt so plötzlich so lange aufeinandersitzt, dem fällt die Decke auf dem Kopf oder Konflikte platzen auf und lassen sich nicht mehr unterdrücken.
  • Manche haben Angst draußen zu landen: In der Arbeits¬losigkeit, in der Insolvenz, in der Quarantäne, in der Klinik.
  • Draußen vor den Toren Europas sitzen weiterhin Menschen, auf die Corona ebenfalls zurollt und die in den Flüchtlingslagern keinen Abstand und keine zusätzlichen Hygienemaßnahmen einhalten können.

Zum zweiten Aspekt passt es gut, dass der Text „draußen“ mit dem Leid und dem Leiden assoziiert. Das zeigt: „Draußen“ muss nicht unbedingt an der frischen Luft sein. Was bleibt, ist der Gedanke des Miteinanders und das Ziel: Wir gehen hinaus zu Christus, der sich stets für andere eingesetzt hat. Das Miteinander, die Solidarität wird aktuell durch die Politik und die Medien regelmäßig beschworen. Der Text fragt quasi: Wo und wie gehe ich für und mit anderen „nach draußen“? Ein Weg ist der Griff zum Telefon: Ich persönlich finde es in diesen Tagen immer wieder faszinierend, wie sehr ein überraschender Anruf den anderen beflügelt, vom Kindergartenkind bis zur Seniorin. Andere stellen ihr Know-how oder ihre Ausrüstung zur Verfügung. Unternehmen bieten ihre Schutzmasken den Menschen in medizinischen Berufen an. Wieder andere Menschen vernetzen über soziale Netzwerke, dass diese wichtigen Artikel dort ankommen, wo sie gebraucht werden und wohin die staatlichen Lieferungen vielleicht nicht mehr gelangen.

Und es gibt Menschen, denen es ihre finanziellen Möglichkeiten erlauben „nach draußen zugehen“ und etwas spenden. Etwa wenn die Anzahlung für einen geplanten Urlaub wieder zurückkommt. So Lasst uns nun zu ihm hinausgehen. Der Predigttext enthält eine starke Aufforderung. Aber darüber hinaus aber auch zwei tröstliche Gedanken:

  • Christus, Gott ist dort bereits. Er ist bei denen, die gerade „draußen“ sind.
  • Und: Wir sind aufgerufen, gemeinsam „nach draußen“ zu gehen. Dahin, wo auch Leid und Schwierigkeiten sind. Aber dies wird nicht der letzte Ort sein. Gott ruft uns weiter. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

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