Gedanken zum Sonntag Misericordias Domini von Pfarrer Severin Brodersen

Ein Regenbogenpsalm

In der Zeitung finden sich in den letzten Wochen viele Kinderbilder, auf denen Regenbögen zu sehen sind. An manchen Kindergärten hängen die buntgestreiften Farbbögen am Fenster oder am Zaun und großformatige Künstler malen sie mit Kreide auf die Straße.

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Wie würden Sie einem Menschen, der noch nie einen Regenbogen gesehen hat, einen solchen beschreiben? Vielleicht so: „Am Himmel steht plötzlich ein großer bunter Lichtbogen mit verschiedenen Farben nebeneinander: Oben Rot, dann gelb, dann grün …"

Mit Grundschülern habe ich vor einiger Zeit überlegt, dass der Psalm 23 eigentlich ein „Regenbogengebet“ ist. Bei einem Gebet gibt es natürlich keine Farben, aber es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen zu Gott beten: Bei akuter Angst, in Sorge, bei Ratlosigkeit oder Kraftlosigkeit, aus Dankbarkeit, …

So wie der Regenbogen verschiedene Farben nebeneinander hat, enthält ein Regenbogengebet also verschiedene Gebetsanliegen nebeneinander.

Wir haben uns dann den Psalm 23 gemeinsam angeschaut und die These überprüft:  

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. 

Zuerst haben wir gemeinsam überlegt, welcher Abschnitt besonders wichtig ist, wenn man Angst hat. Die passenden Verse wurden rot markiert und daneben „Angst“ notiert.

Danach haben wir weiterüberlegt: In welcher Situation können dir die anderen Abschnitte guttun? Jedes Gefühl bekam seine eigene Farbe: Dankbarkeit Grün, Kraftlosigkeit blau, usw.

Mit der Zeit wurde der Text durch die Markierungen zu einer Art bunten Regenbogen und bei vielen Schülern war tatsächlich oben Rot, wie bei einem echten Regenbogen. Denn sie waren der Meinung, „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ passt besonders gut, wenn man Angst hat.

Ich finde das Besondere am Psalm 23, dass er ein vollständiger Regenbogen ist. Denn er enthält wirklich alle Gebetsanlässe, auch die grüne Dankbarkeit. Schon beim ebenfalls breitgefächerten Vater-Unser ist das anders: Mit all seinen Bitten kann ich da nur wenig „grün“ erkennen. Höchstens der Abschluss am Ende.

 Ich weiß nicht, wo Sie gerade stehen. In welchen Angelegenheiten Sie sich heute an Gott zu wenden. Doch der Psalm 23 müsste sie in jeden Fall abdecken.

Und er zwingt uns liebevoll aber bestimmt dazu, auch die anderen Gebetsanlässe trotzdem mitzubeten und mitzubedenken. Generell und ganz besonders heute: Am Sonntag Misericordias Domini, der Gott als den guten Hirten in den Vordergrund stellt und dem der Psalm 23 daher als Wochenpsalm zugeordnet ist.  

Und der Friede Gottes, der größer ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus

Amen

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